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Fallschirmsportclub Trier e.V. > FSC Trier: Welcome

Im freien Fall

 

 

Welcome Bonjour

Tandemsprung mit dem Fallschirm: ein Erlebnis so schrecklich wie schön
TV-Bericht von Marion Meier

Ganz selbstverständlich lässt der erste unserer vierköpfigen Gruppe seine Beine in 1200 Meter Höhe seitlich aus dem kleinen Flieger baumeln. Er dreht sich um, winkt - und schwups! Wird er weggerissen. Wie einPapierschnipsel im Sturm. Oweia, der Arme! Warum bloß springen Menschen mit Fallschirmen vom Himmel? Und warum mache ich das? Geschickt lenkt mich Christian Neuleib mein so genannter Tandemmaster, dem ich vor den Bauch geschnallt bin, ab. "Schau mal, da am Horizont siehst du Spangdahlem." Ah ja, sehr interessant, als sein Höhenmesser am Handgelenk 3500 Meter zeigt und wir wieder über dem Flugplatz Föhren kreisen, geht alles ganz schnell.
Schreien ist das einzige, was funktioniert

Gemeinsam - ich sitze auf seinem Schoß - rutschen wir auf dem Boden zum Ausgang. Füße raushängen, Kopf nach hinten, Hände oben an die Gurte und zack: freier Fall. In einem Affenzahn rasen wir der Erde entgegen. Scheinbar nichts hält uns auf. Nein, ich will nicht sterben! Aaaaaaah!
Schreien ist in diesem Moment das einzige, was funktioniert. 45 Sekunden lang und mit 200 Stundenkilometern, so erfahre ich später, stürzen wir nach unten. Doch irgendwann hat sich mein Schreibedürfnis gelegt, unsere Position sich in die Waagerechten stabilisiert.
Mein Master klopft mir auf die Schulter: Jetzt darf ich den Fahrtwind mit ausgebreiteten Armen testen. Gar nicht so wild, der Widerstand.

Ich grinse - für die Linse, bin froh um jede Ablenkung

Da, plötzlich fliegt der Fotograf vor meiner Nase. Ich grinse - für die Linse. Ich bin froh um jede Ablenkung. Doch es ist auch beruhigend. Er fällt wie wir, es scheint also alles richtig zu sein. Ein zweites Schulterklopfen, das Zeichen für "Hände an die Gurte".
Um uns herum wird es derweil diesig, wir fliegen durch eine Wolke. Dann ein leichter Ruck. Wir trudeln etwas, fallen langsamer, rutschen in die Senkrechte. Unser Fallschirm ist nun offen und die Sicht wieder klar. Nun könnte ich den tollen Ausblick auf diese Spielzeugwelt mit ihren kleinen Dörfern und den Feldern, die daliegen wie mit dem Lineal gezogen, so richtig genießen. Könnte ich. Wäre da nicht noch dieses ungute Gefühl. Immer noch kommt der Boden zu flott näher, droht eine Kollision ungemütlich zu werden. 30 Stundenkilometer haben wir mit dem Schirm drauf. Als Christian fragt, ob alles o. k. ist, sage ich natürlich: "Klar!"
Jetzt darf ich mit den Händen in den Steuerleinen beim Lenken helfen. Es geht ganz einfach, rechts ziehen bedeutet Rechtskurve. Auf Christians Frage, ob ich Lust auf Looping habe, sage ich wieder: "Klar". Ich will ja nichts verpassen. Mit vereinter Kraft zerren wir die rechte Leine runter, ich halte sie in Kniehöhe. Wir drillen und drillern uns, wie ein Kreisel immer schneller nach unten. Das ungute Gefühl meldet sich zu Wort: " Ich glaube, das reicht."
Ab da fliegen wir nur noch herrlich langsame Kurven und nähern uns stetig dem Zielkreis am Flughafen. Dann kommt auch schon das Kommando "Knie anziehen". Ich umklammere meine Beine, sanft schweben wir der Wiese entgegen und landen butterweich in Sitzposition im hohen Gras.
Uff! Jetzt erstmal hinlegen. Erleichterung, tolle Entspannung, Glückgefühle - alles durchströmt mich auf einmal. Gegen die vielen Seufzer kann ich mich gar nicht wehren. Wie schön! Ich lebe noch. Ich habe mich getraut, habe diesen Wahnsinn in luftiger Höhe erlebt.
Ganze fünf Minuten lang. Und ich freue mich, wieder fest Boden unter mir zu spüren. Doch beim zweiten Sprung, so heißt es, bekommt man viel mehr mit, geht alles langsamer. Im Flieger wollte ich davon nichts hören, aber jetzt klingt das verlockend.
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