von Oliver Ritzmann
Der Fallschirmsportclub Trier lädt zum Freiflug aus 3000 Metern Höhe ein: Am Flugplatz Föhren kann jeder für den Jungfern-Sprung trainieren.
Die rote Sportmaschine rattert. Es geht steil nach oben. Bekond, Rivenich und Klausen liegen hinter uns, der Pilot fliegt eine Kurve, und als ich die Dächer von Hetzerath unter mir sehe, heißt es: "Fertig machen zum Absprung!"
Ein bisschen mulmig ist mir schon. Ausbilder Christian aus Zeltingen klopft mir auf die Schulter und grinst. Keine Gnade. "Du bist dran!" heißt es, und schon stehe ich auf dem Trittbrett außen am Flugzeug. 3000 Meter über der Erde, der Wind bläst mir entgegen. Ich atme durch, und dann der Schritt ins Bodenlose...
Ohne Netz und doppelten Boden - aber keine Sekunde mit Gefahr
verbunden sei der außergewöhnliche Sport der Fallschirmspringer. Sagt einer, der
es wissen muss: Oliver Soler ist der zweite Vorsitzende des Trierer Clubs und
hat in zehn Jahren mehr als 700 Sprünge gemacht. "Die Autofahrt zum Flugplatz
ist das Gefährlichste. Das Springen ist doppelt und dreifach abgesichert", sagt
Soler, bevor er mit einer Anfängergruppe die Vorbereitung auf ihren
Jungfern-Kick fortsetzt. Gestern stand Theorie Physik und Erdkunde auf dem Plan
- dazu gehört zum Beispiel die Aufklärung über tückische Fallwinde -, dannach
eine Einführung in die Gerätschaft sowie erste Fall- und Haltungsübungen -
bäuchlings am Boden liegend. Heute erklärt Soler noch mal kurz, wie sich der
Sportler im Notfall verhalten sollten und wie jeder die beste Figur am Himmel
macht: "Je sauberer der Absprung und dann die Haltung während des Freifalls,
desto mehr Spaß bringt der Flug!" Ein automatisches Öffnungssystem soll die
letzen Reste vermeintlicher Angst beseitigen: im Fall eiiner plötzlichen
Bewusstlosigkeit löst dieses bei einer bestimmten Geschwindigkeit den Schirm von
selbst aus.
Nach
meinem Schritt in den Abgrund spüre ich keine Bewusstlosigkeit. Ganz im
Gegenteil. Es kribbelt im Bauch. Ein kleiner Ruck, der Schirm breitet sich aus
und bremst mich sanft auf ein Falltempo von fünf Metern pro Sekunde. Ich Schwebe
mit den Vögeln über Föhren. Das Herz hüpft. Per Funk meldet sich der Ausbilder.
"Alles okay!" Drei Minuten später ist mein Traum vom Fliegen geträumt, und ich
lande sicher auf Föhrener Boden.
